Es war noch dunkel in Granada, als ich die Pension am nächsten Morgen verließ. Die engen Gassen des marokkanischen Marktes waren nicht mehr ganz so eng, da alle Läden noch geschlossen hatten. Die bunte Farbenpracht der ausgelegten Waren war der blanken Architektur der Gasse gewichen. Menschenleer. Ich ging die paar Schritte zur Plaza de Bib-Rambla und setzte mich auf eine Bank. Erstmal eine rauchen, bevor ich den Aufstieg zur Alhambra wagen wollte.

Kurz vor 8 war ich dann nach einem anstrengenden Anstieg oben an der Alhambra. Ich dachte, ich wäre einer der Ersten, die dort für ein Ticket anstehen. Falsch gedacht! Hier war schon richtig was los. Trotzdem ging es recht flott voran in der langen Schlange. Leider hatte ich aber das Pech, dass ich nur ein Ticket für die Alhambra und den Generalife kaufen konnte. Der Palacio de Nazaries war schon ausverkauft. Da dürfen nur 100 Menschen pro Tag rein, damit das Gebäude nicht weiter beschädigt wird. Egal, es gab genug anderes zu entdecken.

Überrascht war ich von dem günstigen Eintrittspreis. Er betrug nur 7 Euro. Vielleicht macht es ja da die Masse. Ich kann aber nicht sagen, dass es übermäßig voll war. Irgendwie verlief sich das alles. Nur einmal, an einem Torbogen, musste ich ewig warten, bevor die Leute endlich weg waren und ich ihn fotografieren konnte.

Ich entschied mich zunächst Richtung Alcazaba zu gehen und später dann die Gärten des Generalife zu erkunden. Meinen ersten Fotostop musste ich schon nach wenigen Minuten machen. Rechts von mir waren sehr schöne Gärten mit einem tollen Hotel (Parador de Granada) im Hintergrund. Und wenn ich erstmal anfange, dann höre ich nicht mehr auf. Weiter ging der Weg zum Palacio de Carlos V. Unterwegs fotografierte ich eine schöne Bar, eine Kirche, Festungsmauern, Ausgrabungen, Hecken…

Schließlich gelangte ich zur Alcazaba. Die Mauern der alten Festung waren schon von außen sehr beeindruckend, doch zwischen ihnen und auf ihnen zu laufen war ein einmaliges Erlebnis. Die Aussicht auf die Stadt war von überall ganz wunderbar, vor allem jedoch von den vielen Türmen, auf die man steigen konnte. Hat meine Raucherlunge ganz schön beansprucht, aber ich habe es geschafft, wenn auch schwer pustend. Langsam wurde es heiß. Obwohl es noch relativ früh am Morgen war, war die Temperatur schon auf über 30 Grad angestiegen. Ich brauchte eine Pause.

Ich setzte mich auf eine Bank vor der Alcazaba und drehte mir eine. Ganz unerwartet bekam ich Gesellschaft von einigen jungen Katzen. Streuner. Sie waren so süß, aber auch sehr dünn. Sie ließen sich nicht streicheln, aber auf Stöckchen werfen reagierten sie schon. So spielte ich erst eine Weile mit ihnen und beobachtete sie dann, wie sie miteinander umher tollten. Ich wollte gar nicht mehr aufstehen, doch es gab noch viel zu sehen.

Die Gärten des Generalife waren fantastisch. All die Pflanzen und auch die Gebäude waren sehr beeindruckend. Nachdenklich stimmte mich jedoch all das ganze Wasser, das zur Bewässerung benutzt wird. Die Gegend ist sehr heiß und trocken, fast schon wüstenartig. Gut, heutzutage hat jeder hier in der Stadt fließendes Wasser, aber wie sah das vor Jahrhunderten aus, als die maurischen Herrscher hier inmitten dieser Blütenpracht residierten? Wie reagierte das Volk auf die Wasserknappheit einerseits und die “Verschwendung” des Wassers in den Gärten der Herrscher andererseits? Ein grüner Hügel inmitten der Wüste. Doch weg mit diesen Gedanken. Ich genoss lieber die Schönheit der Anlage und hielt diese in vielen Fotos fest.

Es war schon Nachmittag, als ich die Alhambra verließ. Ich lief dann unterhalb am Rio Darro entlang, bis ich mehrere Restaurants erblickte. Ich entschied mich für ein Tagesmenü, das oft die beste Option in Spanien ist. 3 Gänge für 10 Euro. Zunächst gab es Paella, dann ein Steak und schließlich noch ein Eis. Ich muss sagen, die Vorspeisen sind in Spanien meist am Besten. Geschmacklich und portionsmäßig. Nach dem Essen war es höchste Zeit für eine Siesta. Ich ging zurück zur Pension und machte ein Nickerchen.

Eine Stadt besteht für mich nicht nur aus den Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem aus der Atmosphäre, den Leuten und auch dem Geruch. Diese Eigenschaften wollte ich am Abend auf mich einwirken lassen. Zugegebenermaßen war ein Abendessen beim Burger King nicht der beste Start. Atmosphäre? Nein. Leute? Ja, denn ich saß draußen und konnte die vorbeigehenden Menschen beobachten. Geruch? Ja, aber eben dieser spezielle Burger King Geruch, den ich jahrelang in meiner Kleidung hatte, als ich dort gearbeitet hatte. Er ist anders als der vom Mc Donalds, aber nicht derjenige, nachdem ich suchte. Also streifte ich nach dem Essen wieder durch die Gassen, nahm den Geruch von Bier und Wein wahr. Es roch nach den verschiedensten Gerichten. Am Morgen waren es noch die Putzmittel gewesen. Und dann roch ich Feuer. Aus der Küche eines Restaurants schossen Flammen. Der Rauch verbreitete sich schnell. Manche Leute blieben stehen, um zu glotzen. Andere räumten ihre Tische. Angestellte von Restaurants nebenan trugen ihre Menüplakate zur Seite, um Platz für die Feuerwehr zu machen, die sehr schnell vor Ort war. Der Brand konnte schnell gelöscht werden, bevor er auf die anderen Häuser übergriff. Nach etwa einer halben Stunde war der Spuk vorbei. Der Plaza Bib-Rambla füllte sich wieder mit Leben. Kinder spielten, Rentner saßen auf den Bänken (ich auch) und beobachteten das Geschehen. Ich saß lange dort. Bis nach 22 Uhr. Für Spanien war das ja noch früh. Ich wollte noch in den Stadtteil Albaicin, der Weltkulturerbe ist und wo die ganzen Flamencoshows stattfinden.

Eigentlich hatte ich nichts Besonderes mehr erwartet, doch ich wurde sehr, sehr positiv überrascht. Zunächst saß ich am Plaza de Santa Ana und sah dem bunten Treiben zu. Dann wagte ich mich in die engen Gassen den Hügel hinauf. Es war fast wie eine andere Welt. Ein marokkanischer Souk. Kleine Souvenirgeschäfte, Restaurants, Bars. Und überall Tee und Shishas. Da ich kein Stativ dabei hatte und es schon zu dunkel war, konnte ich leider keine Fotos mehr machen. Also selber hinfahren und anschauen! Unbedingt sehenswert.

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